Ankommen: Kastanien und Maulwurf (Woche 1)

Blick aus dem Fenster des Stadtschreiberzimmers

Blick aus dem Fenster meiner neuen Bleibe

An einem regnerischen Mittwoch komme ich mit drei Rucksäcken in der ältesten Stadt Baden-Württembergs an. Drei Monate darf ich bleiben – für jeden Rucksack einen Monat. Während der ersten Tage entdecke ich die Stadtbücherei von Rottweil, esse im Speisesaal des Konvikts und lerne was fürs Leben (mal wieder).

Ergebnisse der Woche

  • 7 Schlüssel, 1 Transponder gehören mir jetzt leihweise
  • 3 Gepäckstücke habe ich von München nach Rottweil gebracht
  • 2 SIM-Karten habe ich gekauft (nacheinander, die erste binnen 4 Stunden auf Anraten der Kundenhotline retourniert)

Momente der Woche

  • Im Zug nach Stuttgart fragt ein Kind: „Kann der auch bremsen?“
  • Im Zug nach Rottweil versuche ich, einem Science-Fiction liebenden Informatiker namens Johannes zu erklären, weshalb mir beim Lesen die Sprache wichtiger als der Plot ist. Er empfiehlt mir Ender’s Game und Speaker for the Dead von Orson Scott Card.
  • In der Stadtbücherei Rottweil sind alle Romane nach Sparten geordnet. Demnach schreiben Thomas Mann, Patrick Modiano und Milan Kundera „Frauenromane“ , Paul Auster „Männer-“ und Anna Gavalda „zeitgeschichtliche“ Romane. Auch die Biografien von Nelson Mandela und Samuel Koch sind bei den Romanen zu finden. Eine hilfsbereite Bibliothakarin erklärt mir das System. Am nächsten Tag schaue ich noch mal vorbei: Die Sortierung ist unverändert. Ich habe sie nicht geträumt.
  • Am Ende meines ersten Tages in Rottweil hört es auf zu regnen. Als ich spazieren gehe, liegen auf dem nassen Gehsteig frisch aufgeplatzte Kastanienschalen. Ihre weiße Innenhaut leuchtet fast.
  • Im Speisesaal des Konvikts dreht sich ein Schüler um und sagt zu seiner Mitschülerin: „Du lachst wie ein Maulwurf.“
  • Am Morgen meines zweiten Tages scheint die Sonne zwischen den Wolken durch. Das Licht!

Erkenntnisse der Woche (Gelernt fürs Leben)

Drei Rucksäcke im Zug

Drei Rucksäcke für drei Monate

  • Das Packen dauert wieder mal länger als gedacht. Viel länger. Vor allem Technik und Arbeitssachen für 3 Monate.
  • Das Auspacken geht schneller als das Einpacken, um ein Vielfaches (mal wieder).
  • Auch am Wochenende läutet die Glocke der Kappellenkirche (gefühlte 5 Meter von meinem Kopfkissen im Konvikt entfernt) ab 6 Uhr jede Viertelstunde.

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