Fast-Advent: Kunstwerke und Heinzelmännchen (Woche 10)

Feuerwehrleute reparieren Traufbeleuchtung

Feuerwehrleute richten die Traufbeleuchtung für den Advent

Ein veröffentlichter Text, eine Lesung, eine Schreibwerkstatt: Auch in meiner zehnten Woche als Stadtschreiberin in Rottweil wird mir nicht langweilig. Diskret verabschiedet sich der Herbst – leuchtend nähert sich der Advent. Nebenbei gewinne ich weitere Erkenntnisse über Heimweh.

Momente der Woche

  • In einem Modeladen in der Rottweiler Fußgängerzone entdecke ich am Montag einen Pulli mit der Aufschrift „Paris – City of Dreams“ (in brachialen schwarzen Versalien). Daneben liegen T-Shirts mit der Schriftzug „Paris Stole my Heart“. Während ich noch überlege, ob man die Ware angesichts der Anschläge vom Freitag der Vorwoche kurzfristig aus dem Sortiment hätte nehmen sollen (oder eben gerade nicht), nimmt eine andere Kundin den Paris-Pulli in die Hand, sieht ihn lange an und hängt ihn wieder zurück auf die Stange.
  • Am Dienstagmorgen wird zum 1000. Mal mein Blog aufgerufen. Ich freue mich sehr über das Interesse!
  • Der Herbst neigt sich dem Ende zu, wenn man der Natur glaubt: Die wenigsten Bäume tragen noch herbstlich gelbe Blätter – trotzdem leuchtet es golden über den Köpfen der Passanten. Denn Rottweil schaltet schon mal die Adventsbeleuchtung an. Am Dienstag erwische ich zwei Heinzelmännchen (von der Feuerwehr Rottweil) beim Auswechseln der Glühlampen. Die dunkle Jahreszeit kann kommen.
  • Am Anfang der Woche hole ich mein Belegexemplar ab: Die Neue Rottweiler Zeitung hat am Wochenende meinen Text über meine Zeit als Stadtschreiberin gedruckt (und davor kräftig gekürzt). Das Beste: Die gekürzte Version gefällt mir besser als meine Langversion.
  • Die Kunststiftung Erich Hauser öffnet ihre Pforten: Im früheren Wohnhaus (und heutigen Museum) des Künstlers darf ich – umgeben von Kunstwerken – Texte von mir vorlesen.
  • Beim Notieren auf der Straße fällt aus meinem Journal ein Herbstblatt, das ich vor drei Wochen bei einem Spaziergang in Rottweil aufgelesen habe. Jetzt liegt es einsam auf dem Gehsteig: Weder in den Bäumen noch auf dem Boden sind mehr viele Blätter zu sehen. Ich hebe es nicht auf. Der nächste Herbst kommt bestimmt.
  • Wer meine Texte auch mal zwischen Buchdeckeln lesen mag, wird hier fündig: Seit Freitagmorgen ist  die Bücher-Seite online. Viel Spaß beim Stöbern!

Dialog der Woche

„Die Brille steht Dir. Sieht aber ein bisschen schwul aus.“
„Ich bin schwul!“

Vertipper der Woche

  • Schreitisch (statt „Schreibtisch“)
  • Septemberg (statt „September“)

Zitat der Woche

„Spülmittel mit Migrationshintergrund“

 Traufbeleuchtung

Adventliche Lichter an Rottweiler Traufen und Giebeln

Weitere Erkenntnisse über Heimweh

Was Heimweh verstärkt

  • eine Baustelle direkt unter dem Fenster des Arbeitszimmers (zwei Stockwerke drunter, einmal quer über die Gasse), bei der mit Presslufthammer, Kreissäge und Bohrer eine Außenwand eingerissen wird
  • von einer Schülerin versehentlich mit Essen bespuckt werden, als sie sich enthusiastisch in das Gespräch einbringt
  • einen Arzttermin in drei Wochen angeboten bekommen und mit der Sprechstundenhilfe diskutieren, ob ein Termin in 21 Tagen nun drei oder zweieinhalb Wochen entfernt ist
  • siehe Woche 3

Was Heimweh lindert

  • dabei sein, als Schüler in der Schreibwerkstatt eine vielversprechende Idee entwickeln und beginnen, sie auszuarbeiten
  • bei einem anderen Arzt einen Termin innerhalb einer halben Stunde erhalten
  • siehe Woche 3

4 Gedanken zu „Fast-Advent: Kunstwerke und Heinzelmännchen (Woche 10)

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